Die 10 schönsten Wasserfälle Deutschlands
Deutschlands Wasserfälle erreichen nicht den Maßstab der eigentlichen Alpen oder der nordischen Länder, doch das Land hat mehr zu bieten, als sein Ruf vermuten lässt. Der Schwarzwald, die bayerischen und Allgäuer Alpen sowie die bewaldeten Mittelgebirge von Harz und Sauerland bergen alle Fälle, gespeist von Regen und Schneeschmelze. Viele sind von dichtem Wald umrahmt und durch gut ausgeschilderte Wege verbunden. Die Auswahl spannt sich über die Bergregionen des Landes und mischt die berühmten mit den still beeindruckenden. Alle zehn sind auf der Karte.
1. Triberger Wasserfälle, Baden-Württemberg
Die Triberger Wasserfälle im Schwarzwald zählen zu Deutschlands höchsten: Hier stürzt die Gutach 163 Meter in sieben Kaskaden über Granitstufen. Jede Stufe hat ihren eigenen Charakter — der untere Abschnitt ist breit und theatralisch, während die oberen Kaskaden sich zwischen moosbedeckten dunklen Felswänden verengen. Ein gut befestigtes Wegenetz steigt durch Fichten- und Tannenwald neben den Fällen empor, mit nummerierten Aussichtspunkten auf jeder Stufe. Die Stadt Triberg erhebt Eintritt zum Park — üblicherweise wenige Euro pro Erwachsenem; eine Kombikarte mit dem Schwarzwälder Uhrenmuseum ist ebenfalls erhältlich.
Triberg liegt rund 800 Meter über dem Meeresspiegel im mittleren Schwarzwald an der B33, etwa 55 km östlich von Freiburg. Der nächste Bahnhof ist Triberg an der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz. Der Fluss ist am stärksten nach Schneeschmelze und Frühjahrsregen, typischerweise März bis Mai; die Fälle fließen ganzjährig und gefrieren in strengen Wintern zu dramatischen Eisvorhängen, die auch im Januar Besucher anziehen. Eine vollständige Begehung bis zum Gipfel dauert 1 bis 2 Stunden.
2. Röthbachfall, Bayern
Der Röthbachfall oberhalb des Obersees am Königssee ist Deutschlands höchster Wasserfall: Er stürzt rund 470 Meter vom alpinen Plateau in nahezu senkrechtem Freifall herab, bevor er sich auf den tiefer liegenden Felsen auffächert. Das Ausmaß erschließt sich erst, wenn man am Ufer des Obersees steht und begreift, dass der weiße Faden fast einen halben Kilometer nach oben reicht. Er ist nur per Boot über den Königssee von Schönau am Königssee nach St. Bartholomä erreichbar — die Elektroboote verkehren von Frühjahr bis Herbst — und dann zu Fuß 3,5 km am Uferweg vorbei am Obersee bis zum Aussichtspunkt. Einzuplanen ist etwa ein halber Tag ab dem Königssee-Steg.
Gespeist ausschließlich von der Schneeschmelze des Hachelköpfe-Plateaus ist der Röthbachfall im Mai und Juni am mächtigsten und kann im trockenen August oder September zum Rinnsal versiegen. Die Lage im Nationalpark Berchtesgaden mit den Kalksteinwänden des Hagengebirges über dem Wasser macht den Ausflug auch bei niedrigem Stand lohnenswert.
3. Wimbachklamm, Bayern
Die Wimbachklamm bei Ramsau im Berchtesgadener Land ist weniger ein einzelner Fall als eine Schlucht: Der Wimbach stürzt durch eine rund 400 Meter lange enge Felsspalte in einer Kette von Kaskaden. Holzstege schmiegen sich an die Schluchtwände und ermöglichen einen Nahparcours durch die Spalte, mit Gischt des Wildwassers von beiden Seiten. Der Schluchteinstieg liegt etwa 1,5 km vom Dorf Ramsau entfernt und ist gut beschildert; die Gebühr für den Steg ist gering. Bei Hochwasser nach starkem Regen oder rascher Schneeschmelze wird der Weg aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Vom oberen Ende der Wimbachklamm führt ein Weg ins breite Wimbachgries — eine flache Schotterebene zwischen hohen Alpengipfeln, gebildet von Geröll der umgebenden Kalksteinmassive. Die Kombination aus Klamm, Hochtal und Bergkulisse macht dies zu einem der abwechslungsreichsten kurzen Ausflüge der Berchtesgadener Alpen.
4. Todtnauer Wasserfall, Baden-Württemberg
Der Todtnauer Wasserfall im südlichen Schwarzwald stürzt 97 Meter, wo der Stübenbach über eine Granitstufe fällt — einer der höchsten natürlichen Fälle der Region. Anders als die Triberger Fälle, die breit und theatralisch sind, ist der Todtnauer Wasserfall ein einziger eleganter Sturz: Das Wasser löst sich auf einem Teil des Falls vom Fels und fällt frei. Ein Waldweg führt mit zwei oder drei Aussichtsplattformen daneben hinauf. Das Dorf Todtnau liegt rund 20 km südlich von Freiburg und ist per Bus erreichbar; der Fußweg vom Parkplatz zu den Fällen dauert etwa 20 Minuten hin und zurück.
Die Fälle fließen ganzjährig und sind im Frühjahr am stärksten. In kalten Wintern können sie teilweise gefrieren und einen Eisvorhang an der Granitfläche bilden, der Todtnau zu einem bekannten Eiskletterstandort gemacht hat — geführte Eisklettertouren werden hier bei geeigneten Bedingungen angeboten, in der Regel Januar bis Februar.
5. Partnachklamm, Bayern
Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen ist eine dramatische Schlucht, in der die Partnach durch eine 700 Meter lange, bis zu 80 Meter tiefe Felsspalte rauscht. Ein in das Gestein gespengter und an mehreren Stellen gebrückter Weg folgt dem Wildbach durch die Schlucht; an einigen Stellen geht man direkt hinter Wasserfällen hindurch, die vom Überhang herabstürzen. Im Winter hängen riesige Eiszapfen von der Decke und der Gischt formt Eisgebilde, die die Klamm in eine blau-weiße Skulpturengalerie verwandeln. Am Schluchttor wird Eintritt erhoben; der Weg führt weiter zur Reintalangerhütte und schließlich zum Zugspitzmassiv.
Garmisch-Partenkirchen liegt 90 km südlich von München an der A95 und ist per Bahn direkt erreichbar. Der Schluchteinstieg ist 20 Gehminuten vom Garmischer Skistadion entfernt. Der Fluss erreicht sein Maximum im Mai und Juni mit der Alpinen Schneeschmelze; die Klamm ist auch im Winter geöffnet, Grödel oder Spikes sind bei eisigem Untergrund empfohlen.
6. Allerheiligen-Wasserfälle, Baden-Württemberg
Die Allerheiligen-Wasserfälle bei Oppenau im nördlichen Schwarzwald stürzen rund 83 Meter in sieben deutlichen Kaskaden durch eine bewaldete Sandsteinschlucht neben den Ruinen eines mittelalterlichen Prämonstratenserklosters. Ein Treppenweg aus Naturstein folgt dem Wasser vom Klosterhof — der selbst einen Moment verdient, da der gotische Bogen den Blick auf die Fälle rahmt — durch die Schlucht bis zum oberen Ende der Folge. Das Kloster wurde 1192 gegründet und 1803 aufgelöst; seine dachlosen Mauern neben dem rauschenden Wasser schaffen eine Atmosphäre, die im Schwarzwald ihresgleichen sucht.
Oppenau liegt 15 km östlich von Offenburg an der B28. Die Fälle sind Teil des Naturschutzgebietes Allerheiligen; der Eintritt ist frei. Von dem Parkplatz beim Kloster dauert die Rundwanderung durch die Schlucht und zurück 1 bis 2 Stunden. Der Fluss ist ganzjährig; der Waldschatten hält den Sandstein auch im Sommer grün und moosbedeckt.
7. Romkerhaller Wasserfall, Niedersachsen
Der Romkerhaller Wasserfall im Harz stürzt rund 64 Meter neben der Straße durch das Okertal im Harz-Nationalpark, etwa 15 km südlich von Goslar. Ungewöhnlich: Der Fall ist teils künstlich — im frühen 19. Jahrhundert wurde ein Bach über die Klippe geleitet, um das Anwesen des nahen Jagdschlosses Romkerhall zu verschönern, das der Harzer Bergbauaristokratie diente. Der Einbau umfasste einen kleinen Kanal entlang der oberen Klippe, der den Goldbach über die Kante lenkt. Das Ergebnis wirkt vollkommen natürlich: ein steiler, bewaldeter Sturz, dessen Gischt im Licht zwischen den Nadelbäumen glitzert.
Er fließt ganzjährig und ist direkt von der B498 im Okertal aus sichtbar; ein kurzer Weg führt zu einem Aussichtspunkt am Fuß. Die umliegenden Harzberge bieten ausgedehnte Wander- und Radwege; die benachbarte Okertalsperre ist ein lohnendes Tagesausflugsziel.
8. Gütersteiner Wasserfall, Baden-Württemberg
Der Gütersteiner Wasserfall bei Bad Urach auf der Schwäbischen Alb stürzt rund 37 Meter über Kalktuffterrassen in einem bewaldeten Seitental des Ermstals. Kalktuff — poröser Kalkstein, der sich aus mineralreichem Wasser um Moose und Zweige absetzt — häuft sich langsam über Jahrhunderte an und baut die gestuften Terrassen auf; er verleiht den Fällen eine weiche, organische Form, die sich von den harten Gesteinflächen des Schwarzwalds oder der Alpenfälle deutlich unterscheidet. Der Gischt hält das umgebende Gestein dauerhaft grün und macht die Fälle auch bei moderatem Fluss im Spätsommer sehenswert.
Eine beliebte Rundwanderung ab Bad Urach verbindet Güterstein mit dem Uracher Wasserfall etwa 2 km weiter südlich; der Rundweg dauert rund 2 Stunden. Bad Urach liegt 30 km südöstlich von Stuttgart und ist per Regionalbahn auf der Ermstalbahn erreichbar.
9. Tatzelwurm-Wasserfall, Bayern
Der Tatzelwurm-Wasserfall bei Oberaudorf in den bayerischen Alpen stürzt in zwei deutlichen Stufen durch eine enge Felsschlucht, gespeist vom Auerbachbach, der das Sudelfeld-Hochland entwässert. Der Name entstammt dem Tatzelwurm, einem sagenhaften Alpendrachen, dem in Gebirgsbächen nachgestellt wurde — und die enge, dunkle Schlucht hat durchaus den passenden Charakter für solche Überlieferungen. Die obere Stufe stürzt rund 18 Meter in ein kleines Becken; darunter folgt eine zweite, kürzere Kaskade. Ein kurzer Waldweg vom Parkplatz am Eingang der Auerbachschlucht erreicht die Fälle in etwa 15 Minuten.
Oberaudorf liegt im Inntal, rund 10 km südlich von Rosenheim und 70 km von München über die A8. Der Tatzelwurm-Wasserfall ist ein beliebter Halt auf der Landstraße hinauf zum Skigebiet Sudelfeld. Der Fluss ist im April und Mai während der Schneeschmelze von den umliegenden Kalksteinbergen am stärksten.
10. Uracher Wasserfall, Baden-Württemberg
Der Uracher Wasserfall bei Bad Urach stürzt rund 37 Meter über eine Tuffklippe in einem Buchen-Tannenwald am Rand der Schwäbischen Alb. Der Brühlbach, gespeist von Quellen auf dem Albplateau, tritt aus dem Wald, macht eine Kurve und stürzt dann über den Tuffrand als breiter Schleier herab. Der steile, aber kurze Weg — rund 700 Meter vom Parkplatz — steigt zum Rand der Fälle, von dem aus man sowohl den Sturz nach unten als auch die bewaldeten Hänge des Ermstals überblickt. Im Herbst färbt der umgebende Buchenwald sich gold und orange, was diese Falllandschaft zu einer der farbenprächtigen in Süddeutschland macht.
Am Schranken wird ein geringer Eintritt erhoben. Bad Urach liegt an der Ermstalbahn von Metzingen; von Stuttgart sind es rund 50 km über die B28.
Eine Wasserfallreise durch Deutschland planen
Der Schwarzwald birgt das dichteste Cluster — Triberg, Todtnau und Allerheiligen lassen sich auf einer Zweitagesfahrt durch den Südwesten verbinden, mit Freiburg oder Offenburg als Basis. Eine nützliche Route verbindet Freiburg mit Todtnau im Süden, dann nördlich durch Triberg nach Allerheiligen bei Oppenau. Die bayerischen Alpen um Berchtesgaden und Garmisch (Röthbachfall, Wimbachklamm, Partnachklamm) lohnen drei bis vier Tage vor Ort; der Münchner Flughafen liegt weniger als 90 Minuten von beiden Clustern entfernt. Die Schwäbische Alb (Urach, Güterstein) ist ein leichter Tagesausflug von Stuttgart, mit einer praktischen Rundwanderung, die beide Fälle verbindet. Der Harz (Romkerhaller) eignet sich als Zwischenstopp zwischen Mittel- und Norddeutschland, mit Goslar als nächster historischer Stadt.
Frühjahrs-Schneeschmelze und Regen (April bis Juni) bringen den Höchstfluss in den Bergfällen; der Hochsommer ist trockener, doch die Klammen und Wälder bleiben kühl. Im Winter bilden sich dramatische Eisgebilde bei Todtnau, Triberg und Partnachklamm.
Klammen gegen offene Fälle
Viele der schönsten Wasserschauspiele Deutschlands sind keine frei stürzenden Kaskaden, sondern Klammen — die Partnachklamm, die Wimbachklamm und andere — wo ein Wildbach durch eine enge Felsspalte schneidet. Diese Klammen bieten ein anderes Erlebnis als ein offener Wasserfall: Statt einen einzelnen Sturz aus der Ferne zu betrachten, führen Stege ins Gestein hinein, neben und über das rauschende Wasser. Am Schluchteingang wird in der Regel Eintritt erhoben, und die Öffnungszeiten können kürzer sein als bei offenen Fällen, da Hochwasser oder Eis die Wege absperren können. Diese Unterscheidung hilft bei der Planung, denn eine Klamm ist eine Durchwanderung, kein Aussichtspunkt.
Plane deine nächste Tour
Jeder oben genannte Wasserfall ist auf der interaktiven Karte verzeichnet — filtern Sie, um eine Schwarzwald-Kaskadentour zu planen oder eine Reise in die bayerischen Alpen mit den Klammen von Berchtesgaden und Garmisch.