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Die 10 schönsten Wasserfälle in der Schweiz

Die Schweiz ist ein hydrologisches Ausnahmegebiet: Die Alpen empfangen Niederschlag aus vier Windrichtungen, speichern ihn als Gletschereis, und geben ihn als Rhein, Rhone, Inn und Tessin an vier verschiedene Meere ab. Auf diesem Weg entstehen Wasserfälle in fast jeder Talform. Lauterbrunnen allein hat 72 gezählte Wasserfälle; das Tal gilt als einer der wasserfall-dichtesten Orte Europas. Diese zehn sind die bemerkenswertesten des Landes.

1. Trümmelbachfälle, Lauterbrunnen

Die Trümmelbachfälle im Lauterbrunnen-Tal sind ein einzigartiges geologisches Phänomen: zehn Wasserfälle innerhalb einer Bergfelsformation, durch die der Weißbach (gespeist von Eiger-, Mönch- und Jungfrau-Gletschern) sich in einer Schraube durch den Kalkstein hindurchgebohrt hat. Ein Tunnel mit Lift erschließt das System innen; man geht durch Felskorridore, während das Wasser neben und über einem donnert. 20.000 Liter pro Sekunde in der Hochzeit. Geöffnet April bis November.

2. Staubbachfall, Lauterbrunnen

Der Staubbachfall im Dorf Lauterbrunnen fällt 297 Meter als freier Sprühschleier von der senkrechten Kalksteinwand. Er war Goethe zum Gedicht, Turner zum Bild und Jungfrau-Touristen seit 200 Jahren zur Inspiration. Bei starkem Wind zerstäubt das Wasser bevor es unten ankommt; an ruhigen Tagen erreicht ein dünner Faden den Boden. Ein kurzer Weg führt hinter den Fall. Sichtbar direkt vom Dorfzentrum.

3. Reichenbachfälle, Meiringen

Die Reichenbachfälle oberhalb von Meiringen sind der drittgrößte Fall der Schweiz (200 Meter, sieben Stufen), aber weltweit bekannt durch Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes: hier ließ der Autor Holmes und Moriarty 1893 in den Tod stürzen (in „Das letzte Problem"). Eine historische Standseilbahn (Mai bis September) fährt zum mittleren Aussichtspunkt; eine Gedenktafel markiert die fiktive Kampfstelle. Im Frühjahr (Mai bis Juni) auf dem Höhepunkt.

4. Rheinfall, Schaffhausen

Der Rheinfall bei Schaffhausen ist kein hoher, aber der voluminösste Wasserfall Europas: 23 Meter Höhe, 150 Meter Breite, bis zu 1.250 Kubikmeter pro Sekunde in der Schmelzwasserzeit. Der Rhein drängt sich über Malmkalkstein-Felsen; zwei Felseninsel im Becken sind per Boot erreichbar. Schloss Laufen auf dem Südufer gibt die klassische Panoramaperspektive. Ganzjährig zugänglich; beste Wasserführung Juni bis Juli.

5. Engstligenfälle, Adelboden

Die Engstligenfälle oberhalb von Adelboden fallen in zwei Hauptstufen insgesamt 600 Meter von der Engstligen-Hochweide in das Tal. Die Obere Stufe (240 Meter) ist Europas höchster frei fallender Wasserfall mit ganzjährigem Zugang. Eine Seilbahn auf das Plateau im Sommer; im Winter Skigebiet. Die Engstligen-Alp auf dem Plateau ist im Sommer eine der schönsten Hochalm-Wanderregionen des Berner Oberlandes.

6. Cascata del Toce, Formazza (Piemont/Tessin-Grenze)

Die Cascata del Toce im Val Formazza ist technisch auf piemontesischem Boden, liegt aber in der kulturellen und geografischen Kontinuität der Walliser Alpen. 143 Meter hoher Katarakt des Toce. Die Wasserführung ist ebenfalls reguliert: Ein Wasserkraftwerk nimmt einen Teil des Wassers; Abkommen sichern gewisse Mindestmengen für den Tourismusbetrieb. An Sicht-Wochenenden im Sommer voll; im Herbst (September bis Oktober) ruhiger.

7. Mürrenbachfall, Lauterbrunnen

Der Mürrenbachfall nahe Stechelberg am Ende des Lauterbrunnen-Tals ist mit 417 Metern der höchste dauerhaft fließende Wasserfall der Schweiz. Er ist wenig bekannt, da er abseits des Dorfkerns liegt; ein Feldweg führt unter den Fall. Von der Seilbahn Lauterbrunnen–Mürren sichtbar.

8. Foroglio, Tessin

Die Cascata di Foroglio im Valle Bavona, Tessin, fällt 108 Meter über einen Granitfelsen in ein kleines Bergdorf mit alten Steinhäusern. Das Valle Bavona ist autofrei; das gibt dem Erlebnis einen Charakter, der in der Schweiz selten geworden ist. Wanderung von Cavergno; das Tal ist im Sommer ein ruhiges Geheimtipp-Ziel.

9. Geltenbachfall, Berner Oberland

Der Geltenbachfall oberhalb von Lauenen bei Gstaad fällt 120 Meter als breiter Schleierfall von einem Kalksteinplateau. Wanderweg von Lauenen (drei Kilometer, moderat). Wenig touristisch erschlossen; im Frühjahr und Frühsommer nach der Schneeschmelze im besten Zustand.

10. Berschis, Walensee

Der Wasserfall nahe Berschis am Walensee in der Ostschweiz fällt direkt über die Straße und ist von der Autobahn A3 entlang des Walensees sichtbar — einer der wenigen Wasserfälle Europas, die von einer Hauptverkehrsstraße aus direkt erkennbar sind. Kein ausgebautes Tourismusziel, aber ein verblüffender Anblick auf der Durchreise.

Lauterbrunnen als Basislager

Das Lauterbrunnen-Tal verdient eine eigene Planung: Staubbachfall, Trümmelbachfälle und Mürrenbachfall liegen alle in einem 10-Kilometer-Korridor, sind zu Fuß oder per Bahn verbindbar, und der Jungfrau-Region-Bahnpass erschließt alle drei. Herbst (September bis Oktober) ist ruhiger als der Hochsommer-Peak.

Trümmelbachfälle: Buchung und praktische Details

Die Trümmelbachfälle sind ein technisches wie natürliches Wunder. Das Tunnel-Aufzugssystem erschließt zehn verschiedene Kammern und Ebenen im Fels; jede hat ein anderes akustisches und visuelles Erlebnis. Der Lärm in der Hauptkammer bei maximaler Wasserführung (Juli bis August: bis zu 20.000 Liter pro Sekunde) ist so intensiv, dass Gespräche unmöglich werden. Geöffnet April bis November; Eintritt kostenpflichtig. Der unmittelbare Umgebungsweg im Lauterbrunnen-Tal verbindet Trümmelbachfälle mit dem Staubbachfall in einer 20-minütigen Fußwanderung durch das Dorf. Der Gesamtbesuch aller drei Hauptfälle des Tals — Staubbachfall, Trümmelbachfälle, Mürrenbachfall — ist ein Tages-Programm, das keine Bergausrüstung erfordert.

Warum das Lauterbrunnen-Tal 72 Wasserfälle hat

Das Lauterbrunnen-Tal ist ein glaziales Trogtenthal — ein durch Gletscher in U-Form ausgeschliffenes Tal. Die seitlichen Zuflüsse können dem tiefen Talgrund nicht folgen und fallen deshalb als Wasserfälle von den Seitenhängen. Zusätzlich sind die Talhänge aus Kalkstein, der durch Regen schnell aufgelöst wird; viele Quellen und Sickerwässer treten direkt aus der Felswand und bilden weitere Wasserfälle. Das ergibt rechnerisch 72 gezählte Wasserfälle im Talquerschnitt — mehr als in jedem anderen Tal Europas. Manche fließen nur nach Regen, andere haben permanente Quell-Einspeisung.

Rheinfall praktisch besuchen

Der Rheinfall bei Schaffhausen ist per Bahn von Zürich in 40 Minuten erreichbar (S-Bahn SBB, Station Neuhausen-Rheinfall oder Schaffhausen). Die Aussichtsplattformen auf beiden Rheinseiten sind kostenlos zugänglich; Boot zur Felsinsel kostenpflichtig. Das nahe Schloss Laufen auf dem Südufer hat eine gut gestaltete Ausstellung zum Rheinfall. Bestes Wasser: Juni bis Juli; Herbst und Winter deutlich schwächer. Die Kombination mit der Altstadt Schaffhausen (Münot-Festung, mittelalterlicher Kern) macht einen Tagesausflug aus Zürich sehr lohnenswert.

Wohin zuerst?

Schweizer Wasserfälle sind auf der interaktiven Karte verzeichnet. Filtere nach Kanton für Tagesausflug-Planung.