Aldeyjarfoss: Islands Wasserfall zwischen Basaltsäulen im Norden
Im nördlichen Hochland Islands, dort wo sich der Fluss Skjálfandafljót durch eine karge vulkanische Hochebene gräbt, stürzt der Aldeyjarfoss in eine schmale Schlucht, deren Wände von dunklen, dicht aneinandergereihten Basaltsäulen gesäumt werden. Anders als viele der berühmten Wasserfälle Islands, die entlang der Ringstraße Scharen von Besuchern anziehen, liegt der Aldeyjarfoss am Rand des unwegsamen Hochlandinneren und ist nur über eine deutlich rauere Straße zu erreichen, was die Besucherzahlen überschaubar hält. Der Kontrast zwischen dem weißen, aufgewühlten Wasser und den fast schwarzen Felswänden ringsum hat diesen Wasserfall zu einem beliebten Motiv unter Fotografen gemacht, obwohl er im Vergleich zu vielen südlicheren Wasserfällen nach wie vor wenig besucht ist.
Ein von Basalt geformter Wasserfall
Was den Aldeyjarfoss von den meisten isländischen Wasserfällen unterscheidet, ist das Gestein, das ihn einrahmt. Die Säulen entlang der Schlucht bestehen aus Basalt, der entsteht, wenn mächtige Lavaströme langsam abkühlen und sich dabei zu den charakteristischen sechs- und fünfeckigen Formen zusammenziehen, die an vielen Orten Islands zu finden sind. Während die Lava von der Oberfläche nach unten erkaltete, breiteten sich Risse in einem regelmäßigen Muster aus und erzeugten so die eng aneinanderliegenden, orgelpfeifenartigen Säulen, die heute sichtbar sind. Beim Aldeyjarfoss sind diese Säulen kein nebensächliches Dekor, sondern das beherrschende optische Element, das in gestuften, oft leicht geschwungenen Formationen rund um das fallende Wasser aufragt. Der dunkle Basalt bildet einen eindrucksvollen Gegensatz zum hellen Gletscherwasser, was mit ein Grund dafür ist, dass dieser Wasserfall in der Fotografie trotz seiner abgelegenen Lage so bekannt geworden ist.
Der Fluss hinter dem Wasserfall
Der Aldeyjarfoss liegt am Skjálfandafljót, einem der längeren Flüsse Islands, der in den Gletschern und Hochlandgebieten in der Nähe von Vatnajökull und Tungnafellsjökull entspringt, bevor er nach Norden zur Bucht Skjálfandi bei Húsavík fließt. Der Fluss führt eine Mischung aus Gletscherschmelzwasser und Wasser aus Hochlandquellen, wodurch sich Farbe und Wassermenge je nach Jahreszeit etwas verändern. Auf seinem Weg durchquert der Skjálfandafljót ganz unterschiedliches Gelände, von karger Hochlandwüste bis zu grünerem Tiefland, und er ist auch für den weitaus bekannteren Goðafoss weiter flussabwärts verantwortlich. Der Aldeyjarfoss steht für eine frühere, wildere Etappe der Reise desselben Flusses, in der die umliegende Landschaft noch von Lavafeldern und Schotterebenen des Hochlands geprägt ist statt von landwirtschaftlich genutztem Boden.
Vulkanische Landschaft des Hochlandinneren
Die Umgebung des Aldeyjarfoss liegt nahe am Rand des isländischen Zentralhochlands, einer Region, die fast ausschließlich durch vulkanische Aktivität und die erodierende Kraft von Gletscherflüssen geprägt wurde. Die Basaltsäulen am Wasserfall sind das direkte Ergebnis früherer Eruptionen in diesem Teil des Landes, wo sich einst Lava über die Landschaft ausbreitete, bevor sie zu jenem Gestein erstarrte, das der Fluss heute durchschneidet. Das umliegende Gelände ist weitgehend baumlos und offen, geprägt von dunklem vulkanischem Schotter, moosbewachsener Lava und kaum Anzeichen menschlicher Besiedlung. Diese Kargheit ist mit ein Grund dafür, dass der Aldeyjarfoss eine so eigene Atmosphäre besitzt, verglichen mit Wasserfällen näher an Islands dichter besiedelten Küstenregionen.
Weiter im Landesinneren führt die Sprengisandur-Route in eine regelrechte Hochlandwüste, einen Abschnitt Islands, in dem Vegetation fast vollständig schwarzem Sand, Schotter und vereinzelten Lavaformationen weicht. Der Aldeyjarfoss markiert gewissermaßen eine Schwelle zwischen diesem kargen Inneren und dem grüneren, stärker besiedelten Tiefland im Norden, und genau diese Zwischenlage macht ihn so besonders. Reisende, die von Norden kommen, durchqueren zunächst Weideland und vereinzelte Baumbestände, bevor sich die Landschaft zur weiten, leeren Hochebene öffnet, die die Hochlanddurchquerung prägt, wobei der Wasserfall als eines der letzten markanten Wahrzeichen erscheint, bevor das Gelände noch karger wird.
Tier- und Pflanzenwelt der Umgebung
Da das Hochland um den Aldeyjarfoss so exponiert liegt und weitgehend ohne nennenswerte Bodendecke ist, unterscheidet sich die Ökologie hier deutlich von den üppigen Tieflandtälern anderswo in Island. Die Vegetation beschränkt sich weitgehend auf widerstandsfähige Moose, Flechten und niedrige Gräser, die Wind, Kälte und dünnen vulkanischen Boden vertragen. Die Vogelwelt ist im Vergleich zu den Feuchtgebieten und Küstenklippen weiter nördlich eher spärlich, doch der Flusslauf selbst kann noch immer Arten anziehen, die offenes Wasser und Kiesbänke bevorzugen. Für Besucher entsteht insgesamt der Eindruck einer weiten, stillen Leere, die nur vom Rauschen des Flusses und vom Wind über der Hochebene durchbrochen wird, was dem Aldeyjarfoss das Gefühl gibt, zu einem anderen, wilderen Island zu gehören als die Postkartenbilder der Südküste.
Anreise zum Aldeyjarfoss
Wer den Aldeyjarfoss erreichen möchte, fährt in der Regel über die F26, auch bekannt als Sprengisandur-Hochlandstraße, eine der Routen, die das Inland Islands zwischen Norden und Süden durchquert. Es handelt sich um eine Hochland-F-Straße, das heißt, sie ist unbefestigt, kann Flussdurchquerungen beinhalten und ist gesetzlich nur für Fahrzeuge mit Allradantrieb zugelassen. Wegen Schnee und unberechenbarer Bedingungen sind F-Straßen im isländischen Hochland in der Regel nur während eines begrenzten Teils des Jahres geöffnet, meist über die Sommermonate, und bleiben den Rest der Zeit gesperrt und unpassierbar. Reisende, die zum Aldeyjarfoss wollen, sollten stets vor der Abfahrt die offiziellen Straßenbedingungen prüfen, da sich die Lage selbst innerhalb der Öffnungssaison rasch ändern kann, und die Versicherung von Mietwagen deckt F-Straßen oft nicht ab.
Aldeyjarfoss und Goðafoss im Vergleich
Da beide Wasserfälle am Skjálfandafljót liegen, wird der Aldeyjarfoss oft im selben Atemzug mit dem Goðafoss genannt, dem berühmten Wasserfall der Götter, der viel näher an der Ringstraße liegt und das ganze Jahr über große Besucherzahlen anzieht. In der Praxis könnten die beiden Fälle kaum unterschiedlicher wirken. Der Goðafoss ist ein breiter, hufeisenförmiger Wasservorhang in einer relativ zugänglichen, grünen Landschaft, während der Aldeyjarfoss schmaler ist, von eindrucksvollem säulenförmigem Basalt gerahmt wird und in einer abgelegenen, kargen Hochlandumgebung liegt, die mehr Aufwand und das richtige Fahrzeug erfordert. Besucher, die den Weg zum Aldeyjarfoss auf sich nehmen, suchen meist eine ruhigere, dramatischere Alternative zum bekannteren Wasserfall flussabwärts, und beide werden manchmal auf derselben Hochlandtour besucht, sofern die Straßenverhältnisse es zulassen.
Praktisches für den Besuch
An beiden Seiten der Schlucht beim Aldeyjarfoss gibt es ausgewiesene Aussichtspunkte, die über kurze Wege von den Parkplätzen nahe der F26 erreichbar sind. Die Pfade sind stellenweise informell, und der Boden nahe der Schluchtkante kann uneben, locker oder rutschig sein, weshalb festes Schuhwerk und Vorsicht wichtig sind, besonders nahe am Abgrund. Da der Wasserfall in einer exponierten Hochlandlage liegt, kann sich das Wetter rasch ändern, und auch Wind ist häufig ein Faktor, den man einplanen sollte. Vor Ort gibt es keinerlei Besucherinfrastruktur, weshalb Reisende mit ausreichend Treibstoff, Verpflegung und Wasser ausgerüstet sein sollten, wie es für jede Hochland-F-Straßen-Fahrt in Island generell ratsam ist.
Fotografen bevorzugen meist das frühe Morgen- oder späte Abendlicht des isländischen Sommers, wenn die tiefstehende Sonne die Struktur der Basaltsäulen betont, ohne den Kontrast zwischen Fels und Wasser zu verwischen. Da das Gelände unbefestigt und uneben ist, wird Besuchern empfohlen, deutlichen Abstand von instabilen Kanten zu halten und Kinder sowie Haustiere stets im Blick zu behalten. Der Mangel an Besucherandrang verglichen mit bekannteren Stationen an der Ringstraße bedeutet, dass es selten Gedränge um einen guten Aussichtspunkt gibt, aber es bedeutet auch, dass im Notfall keine schnelle Hilfe in der Nähe ist, was bei der Planung eines Hochlandabstechers bedacht werden sollte.
Auf der Karte
Der Aldeyjarfoss liegt am nördlichen Rand des isländischen Hochlandinneren, am Skjálfandafljót gelegen und während der Öffnungssaison über die F26 Sprengisandur-Straße erreichbar. Um genau zu sehen, wie er im Verhältnis zum Goðafoss, zur Ringstraße und zu anderen Wasserfällen in Island und weltweit liegt, öffnen Sie die interaktive Karte und zoomen Sie in den Norden des Landes für ein klareres Bild der umliegenden Landschaft und der Fahrrouten.