Die 10 schönsten Wasserfälle in Venezuela

Venezuela beherbergt den höchsten Wasserfall der Erde und eine der einzigartigsten Wasserfall-Landschaften weltweit: die Tepuis. Diese tafelförmigen Sandstein-Massive des Guayana-Schildes, die abrupt aus dem Dschungel aufragen, entwässern ihre Hochflächen über senkrechte Felswände als Wasserfälle, die in den meisten Fällen hunderte Meter freihängen, bevor sie auf Felsgrund treffen. Der Salto Ángel ist das bekannteste Beispiel, aber nicht das einzige.
1. Salto Ángel, Bolívar
Der Salto Ángel (Angel Falls) im Canaima-Nationalpark fällt 979 Meter vom Plateau des Auyán-Tepui — 807 Meter davon als freihängender Sprühsturz ohne Felskontakt. Er ist der höchste Wasserfall der Welt. Der amerikanische Flieger Jimmy Angel landete 1937 auf dem Plateau des Auyán-Tepui und wurde nach ihm benannt. Der Canaima-Nationalpark ist UNESCO-Welterbe (1994) und größer als der Bundesstaat Bayern. Zugang: Flug nach Canaima Camp, dann Bootsfahrt auf dem Carrao und Churún River (ein bis zwei Tage), oder Rundflug.
2. Salto Sapo, Bolívar
Der Salto Sapo im Canaima-Nationalpark fällt in der Lagune von Canaima, einem Becken, das von mehreren Wasserfällen gespeist wird, die direkt in den See fließen. Der Sapo-Wasserfall ist durch einen Fußweg hinter dem Wasserschleier begehbar — ein seltenes Erlebnis in dieser Intensität. Direkt vom Canaima Camp erreichbar; kein Zusatz-Transport nötig.
3. Salto Yutaje, Amazonas
Der Salto Yutaje im Bundesstaat Amazonas liegt in einer der abgelegensten Regionen Venezuelas, nahe der Tepui-Formation des Yutajé Cerro. Zugang nur per Kleinflugzeug ab Puerto Ayacucho, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas. Ein mehrstufiger Fall über dunklen Precambrium-Fels, umgeben von einem der artenreichsten Waldgebiete des Kontinents. Der Weg zu diesem Fall ist kein einfacher Ausflug — er erfordert Übernachtung und Koordination mit lokalen Piloten oder Reiseagenturen, die die Landestreifen kennen.
4. Salto Aponwao (Chinak-Merú), Bolívar
Der Salto Aponwao, auf Pemón-Indianer-Sprache Chinak-Merú genannt, fällt 105 Meter nahe des Dorfes Iboribo in der Nähe der brasilianischen Grenze. Weniger bekannt als der Angel Falls, aber gut erreichbar über eine kurze Wanderung durch Savanne von der Ortschaft Ikabarú. Ein ruhiges Ziel für Besucher, die eine Tepui-Umgebung ohne den touristischen Druck von Canaima suchen.
5. Salto Acaponcito, Sucre
Der Salto Acaponcito im Bundesstaat Sucre liegt in der Coastal Cordillera, dem nördlichen Küstengebirge Venezuelas. Er fällt über Granit in einem dichten Nebelwald auf etwa 1.400 Metern Höhe. Die Küstenkordillere hat eine eigene Flora, die sich von der Tepui-Welt fundamental unterscheidet: dichte Wolkenwälder mit Bromelien und Orchideen. Lokale Wanderführer aus Cumaná kennen den Zugang; keine ausgebaute Tourismus-Infrastruktur vorhanden.
6. Salto El Hacha, Bolívar
Der Salto El Hacha (Hachafall) ist einer der Wasserfälle der Canaima-Lagune, die das rötlich-braune Tannin-Wasser des Carrao-Flusses in das Becken speisen. Direkt vom Canaima Camp sichtbar und zu Fuß erreichbar. Die tannin-rote Farbe des Wassers ist durch organische Substanz aus dem Regenwald über dem Tepui; sie ist charakteristisch für Schwarzwasser-Flüsse der Guayana-Region.
7. Salto Kukenan, Bolívar
Der Salto Kukenan fällt vom Kukenan-Tepui (auch Matawi-Tepui), dem Nachbarmassiv des Roraima-Tepui, in einem langen freihängenden Sturz. Der Roraima ist das bekannteste Trekking-Ziel der Tepui-Welt — fünf bis sechs Tage Fußmarsch von Paraitepui. Der Kukenan ist sein weniger besuchtes Gegenstück, und sein Wasserfall ist auf dem Zustieg zum Roraima-Basislager bereits von der Savanne aus sichtbar. Die Pemón-Gemeinschaften in San Francisco de Yuruaní sind die Ausgangsbasis für beide Tepui-Treks; Guides sind obligatorisch und werden vor Ort engagiert.
8. Salto Para, Bolívar
Der Salto Para liegt am Caura River, einem linken Zufluss des Orinoco und einem der hydrologisch unberührtesten großen Flüsse Venezuelas. Die Ye'kwana-Indigenen-Gemeinschaften verwalten das obere Caura-Einzugsgebiet als ihr Territorium; Besuche erfordern formelle Abstimmung und idealerweise eine Einladung durch lokale Organisationen. Der Salto Para ist eine breite Schwelle im Fluss, kein Plunge-Fall, aber von erheblichem Volumen. Die Fahrt flussaufwärts von La Trinchera per Kanu ist mehrtägig; das Erleben ist eine Reise, nicht ein Ausflug.
9. Salto Yuruani, Bolívar
Der Salto Yuruani liegt nahe dem gleichnamigen Tepui in der Gran Sabana, dem Hochland-Savannen-Gebiet im Südosten Venezuelas nahe der brasilianischen Grenze. Der Yuruaní-Fluss fällt über eine Basaltschwelle in einem breiten Katarakt; das rötlich-braune Tannin-Wasser kontrastiert mit dem gelben Savannengras der Gran Sabana. Die Gran Sabana ist über den Highway Troncal 10 erreichbar, eine der wenigen befestigten Straßen des Landesinneren; der Wasserfall liegt wenige Meter neben der Straße. Santa Elena de Uairén, nahe der brasilianischen Grenze, ist die Basis für Gran-Sabana-Ausflüge.
10. Salto La Llovizna, Bolívar
Der Salto La Llovizna in Puerto Ordaz (Ciudad Guayana) ist einer der wenigen städtisch zugänglichen Wasserfälle Venezuelas. Der Caroní River, kurz vor seiner Mündung in den Orinoco, fällt über eine Granitblock-Landschaft in einem Nationalpark inmitten der Industriestadt — Ciudad Guayana ist das Zentrum der venezolanischen Schwerindustrie, Stahlwerke und Aluminiumhütten. Der Kontrast zwischen der industriellen Umgebung und dem dichten tropischen Wald des Nationalparks ist markant. Der Name La Llovizna (der Nieselregen) bezieht sich auf den konstanten Sprühnebel, der den Park umhüllt. Zugänglich per öffentlichem Transport von Puerto Ordaz; Parkeintritt günstig, Nationalpark-Status seit 1990.
Die Tepuis: Kontext der Wasserfälle
Die Tepuis sind präkambrische Sandstein-Massive, die seit 200 Millionen Jahren von der südamerikanischen Platte erodiert werden. Ihre senkrechten Wände entstehen, weil das Sandsteingestein horizontal in harten und weichen Schichten abwechselt: Die harten Schichten bilden die überhängenden Kanten, die weichen darunter werden durch Wind und Wasser unterschnitten. Das Ergebnis sind senkrechte bis überhängende Wände, über die Gletscherschmelze — hier gibt es keine Gletscher — und Regenwasser der Hochfläche direkt in den Dschungel fallen. Die Hochflächen beherbergen endemische Flora: Bromelien, Heliamphora (fleischfressende Pflanzen) und Orchideen, die seit der Isolierung des Tepui-Plateaus eigene Arten entwickelt haben. Arthur Conan Doyle verwendete die Tepuis als Vorlage für seine „Vergessene Welt" (1912) — ein Ort, der von der restlichen Welt getrennt ist und eigene prähistorische Fauna beherbergt. Der Canaima-Nationalpark schützt 30.000 Quadratkilometer dieses Gebiets.
Venezuela als Reiseziel: praktische Hinweise
Venezuela erfordert als Reiseziel gründliche Vorab-Recherche zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage. Die touristischen Routen nach Canaima und in die Gran Sabana funktionieren auch in schwierigen Perioden für organisierte Gruppen; eigenständiges Reisen erfordert mehr Vorbereitung. Flüge nach Canaima Camp über Caracas oder Ciudad Bolívar; für den Angel Falls gibt es spezialisierte Reiseanbieter, die Paket-Touren mit Flug und Camp organisieren.
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